Gläserne Geheimniskiste – Der tägliche Balanceakt der Transparenz


Aus der gläsernen Geheimniskiste

In der Führung gibt es selten eine eindeutige "richtige" Antwort. Sie müssen sich ständig zwischen zwei gleich wichtigen, aber widersprüchlichen Anforderungen entscheiden – Sie treffen unentscheidbare Entscheidungen.

Diesen Monat betrachten wir Offenheit und Zurückhaltung

Offenheit gilt als zentrale Führungsqualität. Sie schafft Vertrauen, reduziert Gerüchte und stärkt die Eigenverantwortung im Team. Gleichzeitig gehört es zur Führungsrolle, Informationen zu schützen: sensible Daten, strategische Überlegungen, unausgereifte Szenarien. In bestimmten Situationen kann genau diese Zurückhaltung Stabilität sichern und unnötige Verunsicherung verhindern.

Das Paradoxon liegt nicht darin, dass beide Prinzipien legitim sind, sondern darin, dass sie sich gegenseitig unterlaufen. Zu viel Transparenz kann destabilisieren, überfordern oder Ängste schüren. Zu viel Geheimhaltung erzeugt Spekulationen, Misstrauen und das Gefühl, von Entscheidungen ausgeschlossen zu sein. Es gibt keinen stabilen Punkt, an dem dieses Spannungsfeld „gelöst“ ist. Führung bedeutet hier, immer wieder neu abzuwägen, was dem System jetzt mehr Orientierung gibt.

Das Dilemma in der Praxis:
Sie stehen vor der Entscheidung, aktuelle, aber negative Geschäftszahlen mit dem Team zu teilen. Offenheit würde Vertrauen stärken und deutlich machen, dass Veränderungen notwendig sind. Gleichzeitig besteht das Risiko, Unsicherheit und Zukunftsängste auszulösen, die kurzfristig Energie binden und die Produktivität senken.

Entscheiden Sie sich für Geheimhaltung, bewahren Sie zunächst Ruhe und Handlungsfähigkeit. Doch sobald die Zahlen später bekannt werden – und das werden sie – kann genau diese Zurückhaltung als Intransparenz oder sogar als bewusste Täuschung interpretiert werden. Vertrauen, das auf Stabilität gebaut war, gerät dann nachträglich ins Wanken.

In beiden Fällen zahlen Sie einen Preis. Die Führungsleistung liegt nicht darin, diesen Preis zu vermeiden, sondern bewusst zu entscheiden, welchen kurzfristigen Verlust Sie in Kauf nehmen, um einen langfristigen Gewinn zu sichern – Vertrauen oder Sicherheit.

Reflexionsfragen:

  1. Wo halte ich Informationen zurück, um Stabilität zu wahren, und wo vielleicht auch, um eigene Unsicherheit zu schützen?
  2. Wann ist der Zeitpunkt entscheidender als der Inhalt der Information?
  3. In welchen wiederkehrenden Situationen stehe ich immer wieder vor derselben Transparenzentscheidung? Welche Entscheidungsmuster lassen sich dabei bei mir erkennen?

Wie immer freue ich mich auf und über Ihr Feedback und vielleicht haben Sie ja eine weitere Paradoxie gefunden, die Sie auseinandernehmen möchten?

Viele Grüße

Anika Uhlemann

Anika Uhlemann
Cranachstraße 56
12157 Berlin

Telefon: 0176/ 61836244
E-Mail: au@coaching-uhlemann.de


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Anika Uhlemann - Coaching und Organisationsentwicklung

Ich bin Teamcoach und Organisationsentwicklerin und begleite Führungskräfte auf ihrem Weg zu nachhaltiger Teamentwicklung.

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